Ein Blog über die Themen LowCarb, Ernährung und Psyche.

Mittwoch, 10. April 2013

Durchhaltevermögen

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich es denn geschafft habe solange durchzuhalten. Ich versuche mal, die Frage zu beantworten.

Als ich begann, brachte ich ja über 100 kg auf die Waage. Dann hab ich von Dukan gelesen und es einfach mal versucht (siehe vorherige Posts). Hoffte, dass ich es schaffe, damit ein paar Kilos abzunehmen.

Also habe ich mir vorgenommen, zumindest die 95 kg-Marke zu erreichen. Zeitlich habe ich mir da kein Ziel gesteckt (dachte eh, dass es Monate dauert bis es so weit ist). Ich wollte einfach früher oder später die 95 auf der Waage sehen. Und kurze Zeit später - da war sie, die angestrebte 95. Dabei hatte ich doch mehrere Monate eingeplant um dieses (für mich zu Beginn gedanklich fast unerreichbare) Ziel zu knacken.

"Hm, das ging ja schnell. Dabei war mehr Zeit eingeplant. Dann mache ich mal einfach weiter, mindestens bis Ende November". So dachte ich. Es war mir klar, dass es ab jetzt extrem langsamer weitergehen würde und ich hatte keine allzu großen Hoffnungen noch wesentlich abzunehmen. Aber das war auch in Ordnung. Ich hatte ja mein "Ziel" erreicht und konnte mich in dem Gefühl der "Siegerin" sonnen. Gewichtsmäßig habe ich mir da keine Marke mehr gesteckt. Einfach nur weitermachen bis Ende November. Natürlich hatte ich die leise Hoffnung, bis dahin noch mindestens 2 Kilo zu verlieren. Aber ich glaubte nicht wirklich daran.

Ende November wog ich 81,4 kg. Jetzt fühlte ich mich so richtig als "Siegerin". Siegerin über die Waage, Siegerin über meinen Körper, Siegerin über Fettpolster und Siegerin über meinen inneren Schweinehund.  Irgendwie fast als Siegerin über die ganze Welt! Ich weiß nicht, ob Ihr Euch vorstellen könnt, welch berauschendes Gefühl das war. Es war total irre. Ich hatte ja schließlich nicht nur mein großes Ziel, die 95, geschafft, sondern ich hatte es weit unterboten. Ich hatte auch noch mein weiteres großes Ziel geschafft und bis Ende November durchgezogen. Zwei große Ziele und beide erreicht! Das motivierte mich schon unglaublich. Es ging dabei nicht mal so sehr um das erreichte Gewicht. Ich fühlte mich einfach toll, weil ich zwei Ziele erreicht habe. Ich war sehr stolz auf mich selbst!

Eigentlich hätte ich jetzt aufhören können. Aufhören mit dem Ziele stecken und aufhören mit der Ernährung nach Dukan. Ich wäre mit dem Erreichten völlig zufrieden gewesen. Mehr als zufrieden sogar! Ich hatte mir selbst bewiesen, dass ich es schaffe meine (wie ich dachte - unrealistischen) Ziele zu erreichen.

Aber da kam wieder mein liebster "Feind" ins Spiel. Der innere Schweinehund. Und er forderte mich auf zu einem Duell. "Pah, Du denkst Du bist eine Siegerin nur weil Du zwei so lächerliche Ziele erreicht hast? Jetzt ist die Luft ja eh bei Dir raus. 81,4 - was für eine bescheidene (nicht der exakte Wortlaut) Zahl. 81,4, da wäre ja die 7 nicht mehr weit. Aber die, die schaffste nicht! Sonnst Dich in irgendwelchen "Erfolgen" und bist jetzt zu feige weiterzumachen. Hast wohl Angst zu versagen! Ich wußte ja schon immer, dass Dich die Angst regiert. Du schaffst es Ziele zu erreichen, aber Du steckst Dir ja auch keine wirklich großen Ziele. Die 7 auf dem Display, die schaffst Du NIE!"

Es stimmte, ich hatte Angst zu versagen. Angst, mich lächerlich klein zu fühlen. Aber ich war auch herausgefordert und mein Ego war gereizt. "Komm, das Essen schmeckt doch gut. Du hast nie Hunger und bisher beständig abgenommen. Vielleicht geht es ab jetzt langsamer - aber das ist doch egal. Solange Du keinen Hunger leiden mußt. Mach doch einfach weiter, bis Du dem Hundling beweisen kannst, dass Du eine echte Siegerin bist. Du läßt Dich doch von so einem nicht klein kriegen. Du schaffst das!" Motivierende Worte von meinem Ego. Angst hatte ich trotzdem. Aber ich traute mich und nahm die Herausforderung an.

Da ging es mir nicht mehr so sehr ums Gewicht, nicht mehr um die Zahl auf der Waage. Ab jetzt ging es einfach um den Sieg. Ich wollte mir beweisen, dass ich stärker bin als ich (und vermutlich auch die meisten Menschen in meinem Umfeld) mir selbst zugetraut hätte. Ich wollte mir etwas beweisen.

Also machte ich weiter. Einfach so. Klar, ich hatte die Angst im Nacken. Genau der Angst habe ich mich gestellt um "Unerreichbares" zu erreichen. Darin lag für mich persönlich so total viel Mut, dass ich es einfach schaffen musste. Ich musste meine Angst besiegen. Das war eine sehr große Herausforderung für mich.

Und ich habe es geschafft! Am 12.12.2011 hatte ich es geschafft! Die 7 erschien auf dem Display der Waage. Ich kann Euch nicht sagen, wie oft ich die Waage rauf und runter bin. Immer dachte ich, sie hätte sich bestimmt vermessen. Aber es kam immer das gleiche Ergebnis. Bis zu diesem Tag wußte ich noch nicht einmal, dass diese Waage auch so kleine Zahlen hat! Aber da stand es auf dem Display, 79,8 kg. Es dauerte eine Weile, bis ich das realisieren konnte. Aber dann ging es los in mir! Ich fühlte mich nicht mehr nur als Siegerin, nein, ich war die Königin der Welt! Die Königin über Ängste, über Gewohnheiten, über den Alltag, über Versuchungen... Diese Liste könnte ich unendlich weiter führen. All das hatte ich bezwungen! Ich regierte das wichtigste Reich überhaupt. Ich regierte über meinen Körper und über meinen Geist. Ein HAMMER GEFÜHL!

Am 08.12. hatte ich mir beim Doc Blut nehmen lassen. Ich wollte mal wissen, ob mein (bisher gutes) Blutbild irgendwelche Veränderungen zeigte. Dabei dachte ich eher an Veränderungen im negativen Sinn. Stark belastete Niere oder so. Am Tag meines "Sieges" erhielt ich die Ergebnisse. Der Arzt war beeindruckt. Er meinte von 100 Menschen, denen er Blut nimmt, hat mit Glück einer so ein tolles Resultat. Alle Werte im absolut genialen Bereich. Boah, da viel mir ein Stein vom Herzen. Nicht nur, dass ich meine Ziele erreicht hatte und mich ins Königinnen dasein erhoben hatte - nein - sogar meine Blutwerte waren absolut super. Das musste wohl an der Art der Ernährung liegen.

Das hieß für mich - nix ändern! Das Essen schmeckte toll und ich vermisste nichts. Ich war nach dem Futtern nicht mehr schlapp, keine Mittagstiefs begleiteten mich durch den Alltag, ich fühlte mich frisch, vital und leistungsfähig. Nachts schlief ich gut und fest. Mir ging es also sehr gut mit dieser Art der Ernährung. Und mein Blutbild hat das alles bestätigt.

Ob ich da noch ein Ziel vor Augen hatte? Ja, das Ziel mich wohl zu fühlen. Ich machte halt einfach so weiter. Habe an der Ernährung nichts geändert. Mein TW laut Dukan lag ja bei 67,2 kg. Also konnte ich auch beruhigt weiter machen. "Es ist folglich nicht schlimm, wenn ich weiter abnehmen würde." so dachte ich. Bemerkt Ihr die Änderung in meinem Denken? Zu Beginn war mein Ziel abzunehmen, dann ein gewisses Zeitfenster einzuhalten danach wollte ich meinen Schweinehund besiegen und jetzt? Jetzt wollte ich etwas für mein Wohlbefinden, meine Gesundheit tun.

Ich begann zu lesen und mich zu informieren. Alles was ich über Ernährung und den menschlichen Körper in die Finger bekam, wurde von mir verschlungen und aufgesaugt. Ich lernte etwas über essentielle Nährstoffe, lernte was unser Köper braucht und auf was er verzichten kann, lernte den Insulinspiegel und seine Reaktionen kennen, die Bauchspeicheldrüse, den Magen, den Darm - ich lernte stetig dazu. Vieles war mir nicht fremd, hatte ich doch schon Jahre vorher die Ausbildung zur Vitamin- und Mineralstoffberaterin gemacht. Vieles war aber auch neu und spannend. Ich führte Gespräche mit Ärzten und Fachleuten. Das ging dann soweit, dass ich ein Seminar zur Ernährungsberaterin besuchte. Dort lernte ich in den folgenden Monaten noch mehr. Ich begann langsam unseren Körper zu verstehen. Zumindest in der Theorie.

Und ich futterte während dieser Zeit weiter nach Dukan. Dabei stand zwar der Fokus nicht mehr so sehr auf die Reduzierung meines Gewichtes, aber das war auch nicht nötig. Das passierte nebenbei ja von alleine. Nun war mein Ziel möglichst viel über meinen Körper zu lernen und die Vorgänge darin zu verstehen.

Ich begann damit, mir Gedanken zu machen, wie es nach Phase2 von Dukan weitergehen sollte. Es stand für mich fest, dass ich weiterhin KH arm leben möchte und werde. Genau so wie feststand, dass ich mehr Gemüse in meinen Speiseplan integrieren werde. Und fettreicher sollte mein Essen langsam wieder werden. Natürlich nur die super gesunden Fette und Öle. Fertigessen sollte künftig (wie seit Beginn von Dukan) meinen Teller meiden. Selber und frisch - so die Devise. Geht übrigens fast genau so schnell wie das Zubereiten von Industriemüll.

So zog die Zeit ins Land und mein Wissen wurde auf eine, für mich gute, Grundlage gestellt. Am 16. April 2012 habe ich mein TW erreicht. Da stand der Wechsel in die Phase3 an. Das versuchte ich auch. Ich scheiterte. Scheiterte an dem täglichen Brot, dem Stück Obst pro Tag, dem Käse, an der Stärkemahlzeit und auch an der Schlemmermahlzeit. Ich habe das Brot weggelassen, bin die Stärkemahlzeiten übergangen, Obst gab es höchstens 2 mal in der Woche und meine liebsten Schlemmermahlzeiten bestanden aus Lachsfilet überbacken mit Champignons oder aus nem riesigen Salat mit Garnelen. Aber dieses Scheitern tat mir nicht weh. Es geschah aus Überzeugung und aus dem Wissen, das ich bisher gezogen hatte. Gefühlsmäßig war das für mich kein scheitern. Es war mehr eine Überzeugung, ein Wissen, welches ich in meinen Alltag integrieren wollte. Also irgendwie eher ein Gewinn. Ich behaupte nicht, dass meine Ernährung perfekt ist oder das es daran nichts mehr zu verbessern gibt. Aber ich behaupte, dass es eine Form der Ernährung ist, die all meine Bedürfnisse befriedigt.

Ein Kaffee mit geschäumter Milch und Kokosöl gehörte für mich zu den absoluten Genüssen (tut es übrigens noch heute). Ein Seelenwärmerkaffee sozusagen. Den gab es auch mehrmals wöchentlich. Oder ein Stück Pute angebraten in leckerem Kokosöl. Mmmh! Und ich begann mit Nussmehlen und Kokosmehl zu backen. Das war für mich wirklich ein absolutes Geschmackserlebnis. So lecker... Ich kam mir täglich so vor, als hätte ich gesündigt. Wartete auf die Quittung auf der Waage. Aber sie kam nicht.

Ich stellte mir meinen neuen Einkaufsplan zusammen. Bewertete die Lebensmittel neu und überlegte, was für mich in Zukunft akzeptabel und schmackhaft ist. Womit ich mit Genuss leben kann ohne das Gefühl von Verlust zu haben. Ich stellte fest, dass sich die Lebensmittel, welche ich in die tägliche Ernährung integrieren wollte, mit der LOGI-Pyramide von Dr. Nicolai Worm decken. Also fast nur Stufe1 und 2. Also habe ich mich von dieser Pyramide weiter inspirieren lassen und meine Ernährung daran orientiert.

Manche Dinge änderte ich, wie beispielsweise die Sache mit dem Öl, den Nüssen und die Zusammenstellung auf meinem Teller. Es gibt jetzt mehr Gemüse in jeder Art. Zudem benutze ich jetzt wieder Schmand oder saure Sahne. Käse schmeckt mir mit höheren Fettstufen besser (abgesehen vom Frischkäse für Saucen, da nehme ich weiterhin den mit 0,2 %), ich benutze Leinsamen, Sesam und verschiedene Kerne (Sonnenblumen- oder Kürbiskerne), dunkle Schokolade und Kakaopulver (nicht mehr stark entölt). Manche Dinge habe ich über die Zeit aber so schätzen gelernt, dass ich sie nicht geändert habe. Mein liebstes Fleisch ist noch immer Pute, mein liebster Quark ist der Magerquark, ich benutze 1,5 % ige Milch (weil sie sich besser aufschäumen läßt). Ich mag noch immer keine Sahne (hab ich schon vor Dukan nicht gegessen) und mache mir deshalb "falsche Sahne". Ich habe für mich einen Weg gesucht und gefunden, der meinem Gefühl von "Genuss" absolut gerecht wird. Ich weiß nicht, ob das alles absolut LOGI konform ist oder allen LowCarb-Regeln gerecht wird. Es ist mir nicht wichtig, welchen Namen das "Kind" trägt. Das spielt für mich keine Rolle. Vielleicht ist es einfach eine Art der Ernährung a la "Tanja". Das Wichtigste ist, dass ich mich gut dabei fühle.

So nahm ich weiter ab. Ich nahm ab, bis ich 55 kg erreicht hatte. Dann hörte die Sache mit dem Abnehmen auf. Gut, manchmal habe ich 53 kg, einige Tage später 56 kg. Beides finde ich absolut in Ordnung. Ich möchte nicht mehr weiter abnehmen und auch nicht zunehmen. Das ist nun mein großes Ziel. Ich möchte meinem Körper beweisen, dass es mit dieser Art der Ernährung toll funktioniert. Das wir (Körper und Geist) uns gut fühlen und genießen können ohne Reue. Bisher hat es gut geklappt...

Kommentare:

  1. Hallo Tanja,
    mir gefällt dein Schreibstil, ich lese gerne hier und hoffe, dass ein wenig von deiner jugendlichen Energie bei mir abfärbt.

    Dein Weg ist bemerkenswert kontinuierlich. Das habe ich so bisher noch bei niemandem gelesen. Super.
    LG Leah

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    1. Hallo Tanja
      Ich bin durch die Logianer im A-Forum auf deinen Blog gestossen. Mega Leistung, die du da vollbracht hast,weiss ich doch, von was du sprichst. Ich habe in 18 Monaten 35kg abgenommen (Paramediform und nun WW) und kann es gut halten.

      Dein Schreibstil gefällt mir auch mega gut und ich komme täglich um zu schauen, was du leckeres kochst oder sonst so zu erzählen hast.

      Du hast den für dich richtigen Weg gefunden und wirst den auch gut weiter gehen können.

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    2. Hey, den Respekt für die Mega Leistung teile ich gerne mit Dir. Es ist auch toll, dass die Sache mit dem Halten bei Dir gut klappt.
      Weiterhin viel Erfolg und Spaß am Futtern und natürlich auch am Lesen :-)

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