Ein Blog über die Themen LowCarb, Ernährung und Psyche.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Glutenunverträglichkeit?

So, wie Euch sicherlich aufgefallen ist, habe ich seit gestern das Thema Gluten im Visier. Natürlich hat das einen Grund. Stellt Euch mal folgende Situation vor:

Kaffee trinken mit einer Bekannten in einer Bäckerei.

Sie - heiße Schokolade und ein Stück Marmorkuchen
Ich - Kaffee mit aufgeschäumter Milch

Nach den üblichen Gesprächen über dies und das:

Sie: "Ich weiß jetzt, warum ich nicht abnehme. Traurig aber wahr, das ist bei mir gar nicht möglich!"
Ich - fragender Blick
Sie: "Und auf Deine Art geht es schon mal gar nicht. Hätte für mich schwerwiegende gesundheitliche Folgen."
Ich - der Blick wird noch fragender
Sie: "Das müsstest Du aber doch auch wissen. Warum hast Du mir das denn nie gesagt?"
Ich - zu den Fragezeichen in den Augen gesellt sich noch ein Stirnrunzeln
Sie (mit vorwurfsvoller und leicht ärgerlicher Stimme): "Ich habe eine Glutenunverträglichkeit! Das kann sogar zum Tod führen! Und Du hast mich nie darauf aufmerksam gemacht..."

Boah, ich musste meine Gesichtszüge erst mal kontrollieren und (ohne zu lachen) habe ich gefragt:
"Was möchtest Du mir damit sagen und wie kommst Du darauf?"

Sie (und langsam wurde sie etwas ärgerlicher): "Das ist ja wohl offensichtlich. Ich nehme immer mehr zu, bin ständig überarbeitet und müde, nach dem Essen bin ich immer schlapp und dazu werde ich auch noch viel öfters krank als Du. Und Du gibst mir den Tipp, Kohlenhydrate einzuschränken... Damit spielst Du ja mit meinem Leben!"

O. K. jetzt reicht es mir auch. Folglich wird meine Stimme auch leicht bestimmender:
"Wie kommst Du denn auf diesen Quatsch?"

Und ab da ging es richtig los. Ihren Mamorkuchen futternd klärte sie mich auf. Sie hat gehört, dass man, wenn man unter Glutenunverträglichkeit leidet, genau die Symptome hat, die bei ihr ja stark vertreten sind: Unkontrollierbare Gewichtszunahme, Müdigkeit, Krankheitsanfälligkeit...

Ich: "Wie hast Du denn das bemerkt?"
Sie: "Immer wenn ich so esse, wie Du es vorgeschlagen hast, fühle ich mich seltsam."

Ich habe Ihr vorgeschlagen (sehr grob zusammengefasst), die Zufuhr der Kohlenhydrate einzuschränken. Auf Nudeln, Zucker und Mehlprodukte zu verzichten und mehr eiweißreiches zu essen. Desweiteren habe ich ihr geraten, mehr auf die Wahl der benutzten Fette zu achten und auch reichlich Gemüse in den Speiseplan aufzunehmen.

Daraufhin habe ich sie gefragt, was sie denn verzehrt, wenn sie sich nach den von mir vorgeschlagenen Richtlinien ernährt. Sie erklärte mir, dass sie es einen GANZEN Tag lang versucht hätte und sich eben nicht so gut dabei gefühlt hat. Deshalb ist es bei dem einen Tag geblieben.

Laut ihr: "Gott sei dank, nicht vorzustellen was hätte passieren können, wenn ich das weiter gemacht hätte..."
Ich: "Und was genau hast Du an dem einen Tag gegessen?"
Sie: "Zum Frühstück ein Rührei mit Zwiebel und Pilzen, mittags Putensteak mit Salat und Kräuterquark und abends dann gemischter Salat mit Thunfisch und Mozarella."
Ich: "Und dabei hast Du Dich schlecht gefühlt?"
Sie: "Und wie. Ist ja auch kein Wunder. Schließlich vertrage ich Gluten überhaupt nicht."

Na ja, das Gespräch ging noch ne ganze (lange) Weile in dieser Art weiter. Sie machte mir heftigste Vorwürfe, dass ich ihr so eine Art der Ernährung vorgeschlagen habe. Bei meinem Wissensstand hätte ich ja erkennen müssen, dass dies für sie gesundheitsschädlich sei. Sie vertrage halt einfach kein Eiweiß in der Ernährung...

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Gespräche dieser Art habe ich in der letzten Zeit öfters geführt. Und um ganz ehrlich zu sein: "Es macht mich verrückt!"

Richtig ist, dass es das Krankheitsbild der Glutenunverträglichkeit gibt und diese auch ernst genommen werden muss. Das sehe ich genau so. Genau wie Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel, Laktoseintoleranz und so weiter.

Aber wenn mir jemand erklärt, dass er/sie deshalb kein Eiweiß essen darf und sich deshalb kohlenhydratreich ernähren muss, sorry, da passe ich. Man sollte sich schon ausreichend informieren, bevor man eine Krankheit als Ausrede für eine Gewichtszunahme benutzt.

Gute Infos zum Thema sind hier zu finden:
http://gluten-unvertraeglichkeit.com/

Kommentare:

  1. ...mir fehlen gerade die worte...
    Erst wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich bin immer noch ganz sprachlos :D
    ähm...jaaa...oh mein gott!!

    Aber Gespräche dieser Art muss auch ich immer wieder führen, wenn es darum geht, meine Ernährung zu "rechtfertigen". Die meisten Menschen schnappen irgendwo Stichworte wie "Glutenunverträglichkeit" oder andere Ernährungsmythen auf und sobald sich jemand anders als die Norm ernährt, wird drauf los geschossen wie gefährlich und wie ungesund das doch wäre. Meistens sind das dann auch noch diejenigen, die ABSOLUT keine Ahnung haben wie unser körper überhaupt funktioniert. Schrecklich...
    Na ja, soviel zu meinen Erfahrungen *schmunzel*

    Ich hoffe du konntest deine Freundin noch etwas besänftigen und sie darüber aufklären das gerade ihr Marmorkuchen (!!!), Nudeln und Co. die Bösewichte sind - wenn sie doch wirklich unter einer Glutenunverträglichkeit leiden sollte (was ich ja sehr bezweifle ;) )

    GLG Nera

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    1. Hallo Nera,

      na ja, ich erkläre halt. Was jeder daraus macht... Mittlerweile habe ich gelernt, dass manche so gar nicht an dem interessiert sind, was eine Änderung des eigenen Verhaltens bedarf. Da sind halt Ausreden einfacher. Ist ja auch in Ordnung so. Jeder muss mit den Konsequenzen leben. Nur sollte man dann halt auch nicht jammern...

      Ich glaube, diese Erfahrung bleibt niemand erspart, der seine Ernährung umstellt. Manchmal ist es ja auch äußerst amüsant, manchmal macht es einen Verrückt. Aber im Nachhinein ist es doch immer witzig :-)

      LG Tanja

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  2. Hallo Tanja,
    ich hätte mich vermutlich schlapp gelacht. Ißt Kuchen und hat eine Glutenunverträglichkeit. .-))))
    Ich kenne das, keinen interessiert es, wenn man seine Ernährung umstellt, auch wenn man als lebender Beweis durchs Leben geht.
    Ich habe eine Mehlunverträglichkeit, wenn ich etwas mit Mehl esse, bekomme ich Durchfall, Erbrechen und wenn es mich ganz doll trifft, falle ich um. Das ist mir schon 3 x bei uns zu Hause passiert, da ich etwas probiert hatte, obwohl man mir gesagt hatte, dass es wohl aus Urkornmehl wäre und es eigentlich klappen müßte. Beim 3. Mal war es ein Ministückchen *Kalter Hund*, da war es der Keks. Aber man lernt damit zu leben und eben auch aufzupassen. Oder man ißt es nur zu Hause, wenn man nicht alleine ist, damit , wenn man umfällt , wenigstens einer da ist. Essen gehen geht nur mit viel Fragen und eben dieser Vorwarnung, dass ich umfalle und man einen Krankenwagen holen muß.
    Gott sei Dank möchte kein Restaurantbesitzer einen Krankenwagen vor der Tür stehen haben. *Das wäre keine gute Reklame*. :-) Das ist mein Glück, so sagen sie nämlich ob es geht oder ob nicht.
    Das ist in meinen Augen schlimm, aber das Problem Deiner Bekannten ist eher ein anderes. :-))
    Gruß D*

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  3. das stimmt - jeder ist seines Glückes Schmied und wer nicht will der hat schon ;)

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  4. Realsatire live!
    Ich habe Zöliakie, also ist Gluten für mich absolut tabu, sämtliche glutenhaltigen Lebensmittel im Haushalt bekommen ein andersfarbiges Schneidebrettchen, Messer etc.
    Tip an die Freundin: da gibts mittlerweile auch einen Bluttest, aber wenn es so dramatisch ist, wird ihr ja auch die Darmspiegelung nichts ausmachen ;-)
    Die von ihr genannten Symptome passen ja nun für fast alles, zum Beipiel auf schlimme Uninformiertheit, denn ich habe in dem einen "Diät"tag gar kein Gluten detekten können. Im normalen Marmorkuchen aber schon.
    Gluten ist eben nur die Eiweißkomponente von echten Getreiden - wenn man die weglässt (und natürlich alles, in dem sie oder Gluten enthalten sind) und nicht noch explizit Gluten in Rezepte einbaut, ist doch alles ok.
    Ich jedenfalls habe viele Rezepte hier erfolgreich nachgekocht, das Gluten dann durch etwas mehr Ei/ Eiweiß/ Guarkernmehl (Bindung) oder glutenfreies Eiweißpulver/ entölte Nussmehle ersetzt (Volumen). Gemahlene Flohsamenschalen/Chiasamen sind auch ganz nett für mehr Struktur & Bindung.
    Langer Rede kurzer Sinn: Glutenunverträglichkeit ist ernst, kann als Autoimmunerkrankung zu Folgeerkrankungen führen, die dann wiederum zu Gewichtszunahme durch Medis führen können - aber die Vermeidung von Eiweiß tierischen Ursprungs ist da doch totaler Blödsinn.
    O Mann, wünsche weiter guten Appetit, Katja

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  5. Guten Morgen,

    also ich nutze Gluten als Mehlersatz auch erst seit letzten Jahr November. Da war ich ja bereits schon einige Zeit bei meinem Wunschgewicht angelangt. Und bis dahin hab ich mich auch LowCarb und mit sehr wenig glutenhaltigen Lebensmitteln ernährt. Abgenommen hab ich die kompletten Kilos aber ohne Glutenmehl. Daher weiß ich genau: es geht ganz hervorragend. Im Gegenteil, ich bin sogar der Meinung, dass LowCarb (egal in welcher Form) eine ausgezeichnete Ernährungsform bei tatsächlicher Glutenunverträglichkeit darstellt. Aber man muss den Leuten wohl ihre Ausreden lassen. Egal wie widersinnig sie auch sind.

    Was mich immer wieder wundert ist, wie leichtfertig solch eine Krankheit als Ausrede benutzt wird. Wenn ich Mitleid möchte käme ich ja auch nicht auf die Idee zu sagen "Ich habe Krebs". Finde das doch ziemlich geschmacklos, vor allem gegenüber jenen, die die Krankheit wirklich haben.

    Aber Glutenunverträglichkeit scheint momentan "IN" zu sein.

    LG und einen schönen Tag wünscht Tanja

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  6. Hi Tanja,
    ich wollte noch mal betonen, daß die Diagnose Zöliakie, kompetent erstellt, fast das beste ist, was einem passieren kann!
    Denn ab da liegt Dein Wohlergehen wieder in Deinen eigenen Händen, da die Therapie nur aus dem konsequenten Vermeiden besteht.
    Also keine schlechte Absorption von Nährstoffen mehr, keine Schmerzen im Verdauungstrakt, kein Cortison gegen Entzündungen im Körper.
    Also da seh ich wirklich gar keinen Grund für Mitleid, außer den nervtötenden: "Was kannst Du denn jetzt überhaupt noch essen?" Fragen.
    Das ist dann wieder ein eigenbestimmtes Leben, und deshalb mit anderen Erkrankungen, deren Ausgang ungewiß ist, gar nicht zu vergleichen.
    Aber klar, die Hobby-Zölis nerven, weil damit der Eindruck vermittelt wird, ein bißchen wäre schon ok.
    Bei dem Low Carb Lebensstil stimme ich Dir absolut zu, das ist für mich sehr bequem durchzuziehen.
    Und ich finde Gluten jetzt auch nicht den Antichrist: praktisch und günstig. Bloß weil jemand eine Erdnussallergie hat, höre ich ja auch nicht unbedingt auf, Erdnussbutter zu essen.
    Wünsche ein sonniges WE, Katja

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