Ein Blog über die Themen LowCarb, Ernährung und Psyche.

Samstag, 13. April 2013

Nach dem Erreichen des TW

Im April 2012 habe ich meinen TW laut Dukan erreicht. 67,2 kg zeigte die Waage an. Niemals, wirklich niemals hätte ich gedacht, dass ich es so weit schaffe!

Tatsächlich hatte ich seit meinem Beginn im September 2011 mit über 100kg, nicht eine Nudel gefuttert, Reiskörner links liegen lassen, die Kartoffeln nicht beachtet und das Brot ignoriert. Und nun dieser Erfolg. Denn das war es für mich definitiv. Ein RIESEN Erfolg.

Hier seht Ihr ein Foto, wie ich damals ungefähr aussah. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich auf dem Bild ca. 66 kg.


Ja, im Vergleich zum Anfang, war schon ein ganzes Stück Tanja verschwunden. Ich hatte den TW (TW=persönliches Idealgewicht) erreicht und nun gings an belohnen. Kleiderschrank (wiedermal) aussortieren. Ich hatte nun die Kleidergröße 40. Habe alles aussortiert bis zur Größe 42. Die habe ich "sicherheitshalber" behalten. Mein Schrank war daraufhin fast leer. Was blieb waren in etwa 3 Paar Leggins, eine 7/8 Leggins (die vom Foto) und 3 T-Shirt. Mehr war da nicht mehr drin. Alle Hosen, Blusen, Blazer, Strickpullover... weg!

Also einkaufen. Da es Sommer war, hab ich mich erst mal auf leichte Kleidung festgelegt. Mein Geldbeutel ist ja nicht unendlich voll (meist eher unendlich leer). Ich erstand in der Größe 40 eine Jeans, einige T-Shirts (Größe M), neue Slips (die alten rutschten beim Laufen), einen BH (begonnen habe ich mit einem E-Körbchen, nun war es C), eine leichte Jacke und mein erstes Kleid seit 15 (!) Jahren. Und auf dieses Kleid war ich sooooooo stolz. Es war dunkelblau, vom Schnitt eher ein Hemdkleid, kurz über dem Knie endete es und in Höhe der Hüfte hatte es einen breiten braunen Ledergürtel. An der Vorderseite war es von oben bis unten geknöpft. Mensch war ich stolz auf dieses Teil. Ich hab darin aber auch ne echt schöne Figur gemacht. Sehr schade finde ich, dass es keine Fotos von mir in dem Teil gibt. Ich hätte sie Euch nur zu gerne gezeigt.

Ja, mein TW war erreicht und nun hieß es "Startschuß" für Phase3 von Dukan. Die Zeit, die von allen Dukanern sehnlichst erwartet wird. Die Phase, die den Beginn in ein neues Leben einleitet. Die Phase, in der man sooo vieles wieder essen darf. Die wichtigste Phase von Dukan überhaupt. Die Phase, die einen vor dem JoJo schützt. Die Phase, die wichtig ist zur Stabilisierung des Gewichts. Für mich aber: die Phase der Psycho-Hölle!

Wenn man in Phase3 angekommen ist, gelten neue Regeln. Die Regeln der ersten und zweiten Phase sind mir erstaunlich leicht gefallen. Es machte mir überhaupt keine Mühe und kein Verlustgefühl sie einzuhalten. Im Gegenteil. Ich fühlte mich total wohl damit. Bei den 100 erlaubten Lebensmitteln war alles dabei, was ich brauchte um zufrieden zu sein. Ich habe während Phase2 sogar problemlos auf fast alle tolerierten Produkte (die darf man essen, aber nur in bestimmten Mengen) verzichtet. Mir ging es gut in der 2. Phase. Ab Phase3 kommen wieder neue Lebensmittel dazu. Täglich gibt es Brot, Käse und Obst. Einmal die Woche eine Stärkemahlzeit (mit Nudeln, Reis oder so) und einmal die Woche eine Genussmahlzeit. Da darf man schlemmen, was immer man möchte. Hört sich doch toll an, oder? Bei mir traf leider das ODER zu.

Ich habe es versucht. Habe versucht mich an die neuen Regeln zu halten. Ich weiß ja schließlich, wie wichtig diese dritte Phase ist. Wochenlang habe ich es versucht. Ich habe es nicht geschafft! Das erste mal seit Beginn meiner Abnahme bin ich gescheitert. Ich konnte es nicht. Es begann damit, dass ich keine Stärkemahlzeit gegessen habe, auch die Genussmahlzeiten habe ich einfach wegfallen lassen. Täglich Brot habe ich versucht und ganz schnell wieder aufgegeben. Obst habe ich versucht und auch das wieder aufgegeben. Kurz: ich habe versagt!

Und das schlimmste war: Das erste Mal seit dem Beginn meiner Ernährungsumstellung fühlte ich mich total haltlos. Ich fühlte mich als Versager, weil ich die Regeln nicht einhalten konnte. Mir fehlte ab sofort das "Gerüst" meiner Ernährung. Die Stütze, die mir das Gefühl gab alles richtig zu machen. Ich futterte automatisch weiter wie in Phase2. Der einzige Unterschied war, dass es nun täglich Gemüse gab. (In Phase2 gab es das jeden zweiten Tag.) Abends, wenn ich mich zum Schlafen legte, hatte ich ein schlechtes Gefühl. "Wieder ein Tag, an dem Du Dich nicht an die Regeln gehalten hast." Wenn ich etwas aß, hatte ich ein schlechtes Gefühl. "Eigentlich solltest Du doch nach Phase3-Regeln essen."

Dieses schlechte Gefühl rief auch sofort all meine "Feinde" auf den Plan. Der Schweinehund zerrte und knurrte an seiner Kette. Er sah seine Chance die negativen Gefühle zu seinem Vorteil zu nutzen. Mein Selbstbewußtsein bewegte sich am Rand einer hohen Klippe. Schließlich hatte ich ja versagt. Mir ging es richtig mies in dieser Zeit.

Ich hatte ja schon sehr viel über Ernährung gelernt. Ich wusste auch, dass man mit wenig Kohlenhydraten hervorragend leben kann. Theoretisch wusste ich vieles. Theoretisch hätte ich auch hinter meiner Art der Ernährung stehen sollen. Theoretisch... Ich jedoch brauchte einige Wochen, bis ich dies in meinen Alltag und vor allem in mein Denken integrieren konnte. Einige Wochen der Haltlosigkeit, der Unzufriedenheit mit mir selbst, den Versagensgefühlen und der Angst wieder zuzunehmen. Wieder zuzunehmen weil ich versagt habe, weil ich mal wieder etwas nicht bis zum Schluß durchziehen konnte. Wieder zuzunehmen als Beweis meiner eigenen Unfähigkeit.

Nichts war mehr übrig, von dem berauschenden Gefühl mein TW erreicht zu haben. Keine Freude mehr über das Ergebnis auf der Waage. Da war nichts positives bezüglich meines Körpers mehr übrig. Ich fühlte mich unwohl in mir selbst.

Aus heutiger Sicht: totaler Quatsch. Absoluter Blödsinn! Hätte ich damals nüchtern und ohne Selbstmitleid darüber nachgedacht, wäre mir so einiges erspart geblieben. Ich hätte nicht nächtelang mit schlechtem Gewissen und Traurigkeit wach liegen müssen. Hätte meine Tage nicht mit Gewissensbissen und Frust verbringen müssen. Denn, wenn ich es neutral betrachte: von was hätte ich denn zunehmen sollen? Woher hätte der JoJo kommen sollen? Ich aß ja immer noch konform mit Phase2. Abgesehen vom täglichen Gemüse. Und von Gemüse alleine wird keiner dick! Ich habe mich umsonst verrückt gemacht, geängstigt und unter Druck gesetzt.

So, nun kennt Ihr die für mich schlimmste Zeit während meiner Abnahme. Diese "Phase" meiner versuchten psychischen Selbstzerstörung dauerte ca. 4 Wochen. Danach ist es mir endlich wieder gelungen, mein Gehirn auch für das zu nutzen, für was es eigentlich gemacht wurde - zum denken! Aber in diesen 4 Wochen war es wohl "out of order".

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