Ein Blog über die Themen LowCarb, Ernährung und Psyche.

Sonntag, 7. April 2013

Luxusprobleme

So schritt die Zeit langsam aber beständig voran und die Zahl auf dem Display der Waage wurde immer kleiner. Das machte mich so unglaublich stolz und zufrieden... Zufrieden? Na ja, so ganz kann ich das wohl nicht wirklich behaupten. Denn da begann das, was mir vor ca. 40 kg noch als absolut unverständlich erschien. Etwas, das wenn Frauen (natürlich die mit einer tollen Figur) darüber schwadronierten, mich höchstens zu einem müden und oftmals entnervten Lächeln gebracht hat.

Aber von vorne. Mein TW laut Dukan lag ja bei 67,2 kg. Die hatte ich Mitte April 2012 erreicht. Die "magische" Gewichtsmarke war bis dahin auch mein großes Ziel. Um ehrlich zu sein: "Ich hätte NIEMALS geglaubt, dass ich dieses Gewicht erreichen kann. NIEMALS!" Geträumt davon habe ich schon, aber es halt nicht für möglich gehalten.

Aber ich habe es geschafft. So unglaublich froh war ich darüber. Ich erinnere mich, dass der Morgen als ich das erste mal die Zahl auf dem Display sah, einen Tag voller Stolz eingeleitet hat. Ich hätte springen, schreien, jubeln und tanzen können. Unglaublich! Ziel erreicht! Juhu! "Welt schaut mich an, ich habe es geschafft! Da kuckt Ihr Zweifler? ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!"

Ein tolles Gefühl. Ich fühlte mich so unglaublich schlank und mir konnte keiner.

Zwei Tage später gings zum shoppen. Ich wollte, ja musste, mich belohnen. "All Ihr schicken Klamotten für Schlanke - ich komme!". Lauter schöne Stoffteile auf dem Arm hieß es: ab in die Umkleide.

Und da wartete  sie schon hämisch grinsend auf mich. Ich hab sie beim Betreten der Umkleide nicht gesehen aber sie war da, versteckt in Ihrem liebsten Ort, dem Spiegel. Also bin ich fröhlich reingehüpft in das Höschen in Größe 42 und die ging sogar ohne Luft anhalten zu. Voller Stolz und Euphorie drehte ich mich und da wartete sie schon. Ich drehte mich und schaute in den Spiegel der Umkleide. Ist Euch schon mal aufgefallen, wie erbarmungslos solche Spiegel sein können? Und der war ein besonders schlimmes Exemplar. Na ja und die, die auf mich gewartet hat, sprang mich fröhlich an - die "Ernüchterung"!

Kennt Ihr die Art von Stoffhosen, die schonungslos jede Hautunebenheit hervorheben? In denen selbst die schlankesten Frauen ab nem gewissen Alter unvorteilhaft aussehen? Die Stoffteile, die Cellulitis und Co. nicht verstecken sondern betonen? Genau so eine Hose war das. Und ich war geschockt. Oberschenkel, Po, Unterbauch - furchtbar. Bin das wirklich ich? Aber ich bin doch jetzt schlank! Die Waage hat es gesagt! Wenn es über diese Situation einen Comic geben würde, sähe man mich darin vermutlich auf dem Boden liegend, mit den Fäusten trommelnd und den Beinen strampfelnd. Dabei würde ich trotzig schreien: "DIE   WAAGE   HAT   ES   GESAGT  ! ! ! ! ! !"

Also ab nach Hause. Meine Laune war nicht gleich Null, sie war irgendwo zwischen -500 und -800. Das einzige was ich im Gepäck hatte, war die Ernüchterung. Daheim angekommen hab ich mich ausgezogen und bin vor den Spiegel gestanden. Ich wollte, nein musste, meinen Körper nochmal einem kritischen Blick unterwerfen. Ok, die Innenseite der Oberschenkel war alles andere als straff. Sie legte sich sogar ein bisschen in Falten. Und der Po, na ja. Irgendwie kein wirklicher Übergang der Haut von Oberschenkel nach Po. Nix war mit nem Apfelpo. Eher so irgendwie Birne oder Ei oder sowas. Und dann der Unterbauch. Hm. Gut, ich habe zwei Schwangerschaften hinter mir. Jeder der Zwerge wog bei der Geburt so ca. 4 kg. Als ich mit Elia schwanger war, brachte ich 119 kg auf die Waage. Dann die vielen Abnehmversuche und der ständige JoJo. Meine Haut hat definitiv schon viel gelitten in meinem Leben. Aber trotzdem! Ich habe meinen TW erreicht und galt jetzt als annähernd schlank. Die Statistiken sagen das auch. Und der BMI sagt es auch. Und die Waage sagt es. Sogar die Kleidergröße sagte es. Nur meiner Haut hatte das wohl noch niemand gesagt. Denn wenn sie es wüsste, würde sie mir das nicht antun. Ganz bestimmt nicht, wir waren doch eigentlich ein Team.

Ich war frustriert. Ich hatte jetzt den Körper für Kleidergröße 42 und eine Haut in Größe 46. Ich fühlte mich wie ein zu oft aufgeblasener Luftballon, dem jetzt für immer die Luft rausgelassen wurde. Sah alles wabbelig und schwabbelig, hängend und locker. Ich sah eine Haut, wie ich sie niemandem wünsche. Ich steigerte mich richtig hinein. Ich sah Hautfezen, wo eigentlich keine waren, sah Partien hängend, die eigentlich ganz schön waren. Ich glaube, ich suhlte mich in Selbstmitleid und Resignation. Blöd von mir aber das hatte auch Vorteile. Es brachte mich zum Handeln. Das Selbstmitleid brachte mich dazu, mich wiedermal gegen meinen faulen Schweinehund zu stellen und den Kampf mit ihm aufzunehmen.

Ich fing an, mich zu informieren. Infos von Ärzten, Büchern und dem Internet. Immer bekam ich die gleichen Infos. Langsam abnehmen (der Zug war ja schon abgefahren), Sport und Bürstenmassagen. Haut braucht länger um sich zurück zu bilden. Manche sprechen von ca. 1 cm je Monat.

Natürlich habe ich das nur aus meiner Sicht gesehen. Und natürlich war auch ich in Bezug auf meinen Körper total selbstkritisch. Und natürlich habe ich bei meiner Selbstkritik solche Dinge wie Alter oder Schwangerschaften nicht einbezogen. Und ebenso natürlich, sah ich alles viel extremer als andere Menschen. Ich weiß das. Und ich weiß auch, dass ich eine tolle Haut habe. Ich weiß, dass andere Menschen Fettschürzen bekommen oder unter Cellulitis leiden. Und ich bin sehr dankbar, dass es bei mir nicht so ist.

Trotzdem war ich nicht wirklich zufrieden. Ich kaufte Straffungscremes, die laut Werbung ja Wunder vollbringen können (Halt nur in der Werbung, aber ich kaufte sie trotzdem. Die Hoffnung stirbt zuletzt.). Machte Bürstenmassagen und bewegte mich mehr. Nein, ich wurde nicht zu einem Sportcrack. Aber ich begann Fahrrad zu fahren, machte mehr Hula Hoop, Zumba und bewegte mich im Alltag einfach mehr.

Ich weiß nicht, ob die oben genannten Maßnahmen zum Erfolg führten oder ob einfach nur die Zeit das meiste hinbekommen hat. Tatsache ist, dass ich heute eigentlich zufrieden sein kann/muss.Mit ca. 55kg, Kleidergröße 34/36 und einer Haut, die mitgespielt hat.

Klaro, die ein oder andere Stelle... Luxusprobleme!



Und obwohl es mich noch immer so einiges an Überwindung kostet solche Fotos zu veröffentlichen, habe ich hier einige Bilder, die den Zustand meiner Figur ganz gut zeigen. Die Fotos wurden im Januar 2013 aufgenommen.






Kommentare:

  1. Klasse Fotos!
    Ich hoffe meine Haut strafft sich auch noch. Ich bin auch schon am Überlegen mit einem Hula Hoop Reifen. Ob ich das wohl noch lernen kann? Als ich Kind war konnte ich das nämlich nie!

    Übrigens ein großes Kompliment zu Deinem Schreibstil. Ich musste so viel schmunzeln während ich deinen bericht gelesen habe.
    Du solltest Bücher schreiben!!!!

    LG Chanati

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    1. Also bei mir hat es auch mehrere Versuche gebraucht, bis der Reifen kreisförmig um meine Taille geschwungen ist :-)
      Aber jetzt macht es total Spaß. Heiße Rhythmen auflegen und es geht wie von alleine.
      Es ist aber wichtig, den richtigen Reifen zu haben. Kinderreifen sind zu leicht. Ich habe einen vom Weltbild mit Noppen. Der läßt sich toll kreisen.
      Anfangs hatte ich blaue Flecken und Blutergüsse durch die Noppen - aber das legt sich schnell. Schließe daraus, dass es auch die Haut gut durchblutet. Denke, dass es dadurch schön straffend wirkt.
      Danke für Dein Kompliment bezüglich meines Schreibstils. Ich schreib halt einfach so, wie mir die Klappe gewachsen ist. Sicherlich nicht immer grammatikalisch korrekt - aber was solls. Solange Ihr mich versteht, bin ich absolut zufrieden.
      LG Tanja

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  2. Upps, mein Kommentar ist futsch.

    Also noch mal, liebe Tanja

    es ist sehr erfrischend, wie du schreibst. ich finde mich in manchen Dingen wieder, die du beschreibst. Nur liegt das schon 15 Jahre und 30 Kilo weniger zurück.

    Ja damals war ich noch jung genug, der Haut zu vertrauen, dass sie sich alleine zurück bildet. Tat sie auch :)
    Aber heute muss ich mich mit einem Seufzen damit abfinden, dass sie es nicht mehr schafft.

    Ich beglückwünsche dich, dass du die Kurve noch in jungen Jahren bekommen hast. Vorsicht ist die Mutter der Porzellan Kiste: der Schlendrian lauert in den tiefsten Winkeln unseres Ego.

    Einen Hula-Hoop-Reifen hatte ich als Jugendliche in den 60igern konnte Stunden das Ding oben behalten. Ich springe Mini-Trampolin
    LG Leah

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  3. Ja, den Schlendrian. Hier hat er auch schon ein paar mal geklingelt (fast so oft wie die Zeugen Jehovas). Ich sage dann immer über die Sprechanlage, dass ich nur die Putzfrau sei und die Wohnungseigentümer nicht hier sind :-)
    Hier steht auch ein Mini-Trampolin. Und steht, und steht... Irgendwie wohl nicht so ganz meins. Na ja, die Kinder freuts!

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  4. arł do ziemi, sрoϳrzał. Byłа to zardzewiаłа, sаkralna rękaωica,
    tarnish w јakiej tkwiły do tej pory wуsсhnięte palce również

    nadgarstek. Ѕtąd zjawiѕko iks рróbował, pomyślаł ωłaśnie.
    Nie рroch сzasu na roz.

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